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/ 21.06.2013
David Tréfás

Die Illusion, dass man sich kennt. Schweizerisch-ungarische Beziehungen zwischen 1945 und 1956

Zürich: Chronos Verlag 2008; 303 S.; 35,20 €; ISBN 978-3-0340-0904-1
Geschichtswiss. Diss. Basel; Gutachter: G. Kreis, H. Haumann. – Tréfás widmet sich der gemeinsamen Geschichte der Schweiz und Ungarns und insbesondere der Frage der gegenseitigen Wahrnehmung in chronologischer Weise, indem er den Untersuchungszeitraum in drei Phasen einteilt: in die unmittelbare Nachkriegszeit von 1944/45 bis ca. 1948/49 und in die Frühphase des Kalten Krieges bis zum Herbst 1956; der Ungarn-Aufstand und die anschließend auftretende Flüchtlingswelle sowie die große Anteilnahme der Schweiz an den Vorkommnissen in Ungarn werden als eigene Periode behandelt. Innerhalb dieser Zeiträume untersucht der Autor das jeweilige Ungarn- beziehungsweise Schweiz-Bild in unterschiedlichen Bereichen: in dem der offiziellen Beziehungen zwischen den beiden Staaten, der Wirtschaft und des Handels, der Kirchen und der Emigration. Auch die Nachkriegshilfe der Schweiz für Ungarn wird unter die Lupe genommen. Einerseits richtet der Autor sein Augenmerk auf Ungarn. Neben der eingeengten Ost-West-Sicht des Kalten Krieges, durch welche Ungarn in der Schweiz wahrgenommen wurde, existierten viele bisher nicht oder nur ungenügend beachtete Beziehungen, so Tréfás, die von kulturellen Verbundenheiten bis hin zu konkreten gemeinsamen Erfahrungen reichten: die humanitäre Hilfe nach dem Zweiten Weltkrieg, die vielfältigen Kontakte kirchlicher Gruppierungen und von Privatpersonen über die Ländergrenzen hinweg. Schließlich habe die Schweiz vor 1945 zu den wichtigsten Handelspartnern Ungarns gezählt. Andererseits analysiert er die spezifischen Identitätskonstruktionen der Schweiz und Ungarns. Das Jahr 1956 erscheint für die Schweiz „wie eine zweite Chance“, um „das Image der Schweiz als Hort der Freiheit, Demokratie und der Humanität wieder aufzupolieren. 1956 erscheint als Karikatur des schweizerischen Identitätsentwurfes aus der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit.“ (240)
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.222.52.61 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: David Tréfás: Die Illusion, dass man sich kennt. Zürich: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30257-die-illusion-dass-man-sich-kennt_35904, veröffentlicht am 24.03.2009. Buch-Nr.: 35904 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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