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/ 05.06.2013
Ludger Volmer

Die Grünen und die Außenpolitik - ein schwieriges Verhältnis. Eine Ideen-, Programm- und Ereignisgeschichte grüner Außenpolitik

Münster: Westfälisches Dampfboot 1998; 649 S.; 68,- DM; ISBN 3-89691-438-3
Politikwiss. Diss. Bochum; Erstgutachter: W. Bleek. - Selten verfolgen Politiker, wenn sie sich zum Kerngebiet ihres politischen Handelns äußern, primär wissenschaftliche Ambitionen. Auch bei Volmer, Gründungsmitglied der Grünen und seit 1994 Mitglied seiner Fraktion im Auswärtigen Ausschuß, mischen sich politische und wissenschaftliche Ziele, doch stehen letztere in der Dissertation klar im Mittelpunkt. Entlang von drei großen Etappen (1977-1983, 1984-1990 und 1990-1998) wird der außenpolitische Wandlungsprozeß der Grünen nachvollzogen. Mit der Gründungsgeschichte beginnend und beim Bundeswahlkampfprogramm 1998 endend, vollzieht Volmer die Parteigeschichte aus einer strikt außenpolitischen Perspektive nach. Auch wenn verständlicherweise die Positionen der Partei zur NATO und allgemein zur Sicherheitspolitik wiederholt in den Mittelpunkt rücken, wird nicht versäumt, den Blick auch auf andere außenpolitische Handlungsfelder zu erweitern und die Wiedervereinigung, die europäische Integration, die Menschenrechtsfrage und die Entwicklungspolitik mit einzubeziehen. Die Schwerpunktsetzung wechselt mehrfach zwischen der Analyse konkreter außenpolitischer Problemfelder (z. B. der Tibet-Frage und den Befreiungsbewegungen in Zentralamerika) und dem Blick auf parteiinterne Entscheidungsprozesse und Entschlüsse (z. B. den Krefelder-Appell und den grünen Pazifismusbegriff). Die zuweilen ein wenig zu knapp geratene theoretische Unterfütterung der Befunde kann zumindest teilweise durch den Kapiteln nachgestellte Resümees ausgeglichen werden, in denen die Ergebnisse in die Schulen der Internationalen Politik eingeordnet werden. In einem Ausblick formuliert der Autor abschließend zwei Optionen für die zukünftige grüne Außenpolitik: die erste für den Verbleib in der Opposition und eine zweite für den Fall einer Regierungsbeteiligung. Als Ergebnis stößt Volmer auf einen "Wertekonflikt als produktive Dauerkrise" bzw. dem "Nebeneinander von Dogmatismus auf der einen und völliger Diffundierung grüner Positionen auf der anderen Seite" (564). Dieser Konflikt verhindert einerseits bis heute ein geschlossenes außenpolitisches Konzept, ermöglicht auf der anderen Seite jedoch die Integration von Positionen der unterschiedlichen Parteiströmungen.
Christoph Emminghaus (cem)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.3314.214.3 Empfohlene Zitierweise: Christoph Emminghaus, Rezension zu: Ludger Volmer: Die Grünen und die Außenpolitik - ein schwieriges Verhältnis. Münster: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6711-die-gruenen-und-die-aussenpolitik---ein-schwieriges-verhaeltnis_9044, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 9044 Rezension drucken
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