/ 05.06.2013
Ali Luay
Die deutsch-arabischen Beziehungen von 1949-1965
Münster: Lit 1998 (Politikwissenschaft 51); 271 S.; brosch., 59,80 DM; ISBN 3-8258-3734-3Politikwiss. Diss. Münster; Erstgutachter: J. Bellers. - Die deutsch-arabischen Beziehungen sind lange Zeit einige der wenigen bilateralen Verhältnisse in den internationalen Beziehungen gewesen, die weniger durch die Interessen der beteiligten Staaten definiert waren als vielmehr durch die Bezugnahme auf einen dritten Akteur, in diesem Falle auf Israel. Ihre Ausgestaltung vor dem Hintergrund dieses Dreiecksverhältnisses untersucht die vorliegende Dissertation für die Jahre 1949 bis 1965. Dabei kann der Autor drei Phasen unterscheiden: Die Zeit während der Aufnahme der deutsch-israelischen Beziehungen bis zum sogenannten Wiedergutmachungsabkommen im September 1952; die Jahre bis 1965, in denen die Bundesrepublik geheim Waffen an Israel lieferte und der letzte Abschnitt, in der die diplomatische Anerkennung Israels durch Bonn zum Abbruch der Beziehungen zur arabischen Welt im Mai 1965 führte. Wie eng die deutsch-israelischen und die deutsch-arabischen Beziehungen im Betrachtungszeitraum voneinander abhängig waren, belegt diese Einteilung. Leider führt der Autor das dahinter stehende grundsätzliche, bis 1993 andauernde Dilemma der deutschen Nahostpolitik zu wenig aus, nämlich die aus dem Holocaust abgeleitete moralische Verpflichtung zur Unterstützung Israels auf der einen Seite und das auf traditionellen Verbindungen und der steigenden Bedeutung des Erdöls gründende Interesse an guten Beziehungen zu den arabischen Staaten auf der anderen Seite. Erst mit den arabisch-israelischen Friedensabkommen seit 1993 konnte die deutsche Politik diese Spannung auflösen. Der Autor untersucht die "multifaktoriellen Bedingungen der zwischenstaatlichen Beziehungen, deren Ziele und nicht zuletzt deren Wege" (2). Zu sehr begreift er die arabische Welt aber als einen monolithisch handelnden politischen Akteur. Die Bezugnahme auf einzelne Staaten wirkt vor dem Hintergrund dieser Fehlperzeption dann willkürlich. Luay betont vor allem die traditionellen Verbindungen zwischen Deutschland und der arabischen Welt. Ob man allerdings so weit gehen kann, daß die Bezugnahme auf diese Traditionen erlaubt hätte, "selbst Krisen zu verkraften durch ein gewisses Maß gemeinsamer Normenbildung und historisch gewachsener Verhaltenskoordination" (4), muß allerdings bezweifelt werden. Denn bei der deutschen Politik überwog doch wohl eher eine Haltung des Ausbalancierens sowohl in einem bi-, als auch einem multilateralen Kontext als die interessengeleitete Ausgestaltung von zwischenstaatlichen Beziehungen.
Inhalt: 2. Geschichte der deutsch-arabischen Beziehungen und deren Entwicklungen: 2.1 Historischer Rückblick auf die deutsch-arabischen Beziehungen; 2.2 Die Situation der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg; 2.3 Die Situation der Araber nach dem Zweiten Weltkrieg. 3. Israel als Faktor in den deutsch-arabischen Nachkriegsbeziehungen: 3.1 Die Wiedergutmachungsverträge; 3.2 Die arabischen Proteste; 3.3 Die Ratifizierung des Wiedergutmachungsabkommens. 4. Krise der deutschen Nahost-Politik: 4.1 Die deutsch-israelische militärische Zusammenarbeit; 4.2 Ulbrichts Besuch in Kairo. 5. Der Zusammenbruch der deutsch-arabischen Beziehungen: 5.1 Die Bundesrepublik auf dem Weg zur Anerkennung Israels; 5.2 Die Hallstein-Doktrin.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 4.21 | 4.22 | 2.63
Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Ali Luay: Die deutsch-arabischen Beziehungen von 1949-1965 Münster: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7834-die-deutsch-arabischen-beziehungen-von-1949-1965_10385, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 10385
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
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