/ 04.06.2013
Harald Barrios
Die Außenpolitik junger Demokratien in Südamerika. Argentinien, Brasilien, Chile und Uruguay
Opladen: Leske + Budrich 1999 (Junge Demokratien 1); 443 S.; kart., 78,- DM; ISBN 3-8100-1975-5Politikwiss. Diss. Heidelberg; Erstgutachter: D. Nohlen. - Der Autor untersucht, inwiefern der außenpolitische Wandel in den südamerikanischen Reformstaaten Argentinien, Brasilien, Chile und Uruguay seit dem Ende der 80er Jahre als Ergebnis des Regimewechsels vom Autoritarismus zur Demokratie zu betrachten ist. Damit grenzt er sich von einer Traditionslinie der Politikwissenschaft ab, die den Bereich der Außenpolitik von dem Zusammenhang zwischen Staat und Gesellschaft ausgenommen sieht und daher eine systemunabhängige, über lange Zeiträume kontinuierliche Außenpolitik postuliert. Neben der Regimevariable verwendet er zur Untersuchung zwei weitere analytische Kategorien, indem er fragt, in welchem Maße das internationale System, d. h. vor allem das Ende des Ost-West-Konfliktes, und die marktwirtschaftliche Transformation dieser Staaten, d. h. die makroökonomische Stabilisierungspolitik, strukturanpassende Reformen und eine langfristige Strategie der Weltmarktintegration, die nationalen Außenpolitiken bestimmt haben. Tatsächlich kann der Autor einen signifikanten Zusammenhang zwischen Regimewechsel und außenpolitischem Wandel in den vier untersuchten Staaten feststellen. Nicht alle außenpolitischen Brüche standen jedoch mit Veränderungen des politischen Systems in Zusammenhang, einige erfolgten nach Regierungswechseln innerhalb desselben Regimetyps. Zu deren Erklärung lassen sich die beiden anderen Variablen heranziehen. Die bedeutendste außenpolitische Gemeinsamkeit aller demokratischen Regierungen in den vier Staaten sieht Barrios in ihrer Abkehr von den geostrategischen Konzepten der nationalen Sicherheit, an denen die Militärregime ihre Außenpolitiken orientierten. Neue Formen außenpolitischer Koordinierung, ein weitreichendes Kooperationsinteresse und eine grundsätzliche Gesprächsbereitschaft sind seitdem zu erkennen. Dieser Wandel betraf vor allem das zwischenstaatliche Verhältnis in der Region und ermöglichte damit die intraregionale Wirtschaftskooperation, die die marktwirtschaftliche Transformation unterstützt hat.
Aus dem Inhalt: 2. Regimetyp und Außenpolitik: 2.1 Argentinien; 2.2 Brasilien; 2.3 Chile; 2.4 Uruguay. 3. Der internationale Kontext und die externen Handlungsspielräume: 3.1 Der Wandel des internationalen Kontextes; 3.2 Das Ende des Ost-West-Konfliktes als Element des internationalen Kontextes; 3.3 Der europäische Integrationsprozeß als Teil des internationalen Kontextes; 3.4 Regionale Kooperations- und Integrationsprozesse. 4. Marktwirtschaftliche Transformation als Bestimmungsfaktor der Außenpolitik: 4.1 Der entwicklungsstrategische Paradigmenwechsel; 4.2 Die Prozesse marktwirtschaftlicher Transformation in Argentinien, Brasilien, Chile und Uruguay; 4.3 Der Zusammenhang zwischen den marktwirtschaftlichen Transformationsprozessen in Argentinien, Brasilien, Chile und Uruguay und ihrer jeweiligen Außenpolitik. 5. Synthese: 5.1 Regimetyp und Außenpolitik; 5.2 Die Bedeutung des internationalen Kontextes; 5.3 Marktwirtschaftliche Transformation und Außenpolitik.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 4.22 | 2.65 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Harald Barrios: Die Außenpolitik junger Demokratien in Südamerika. Opladen: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/5647-die-aussenpolitik-junger-demokratien-in-suedamerika_7353, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 7353
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
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