/ 21.06.2013
George Soros
Die Ära der Fehlentscheidungen. Die Energiekrise und die Konsequenzen aus dem Krieg gegen den Terror. Aus dem Amerikanischen von Almuth Braun
München: FinanzBuch Verlag GmbH 2007; 276 S.; hardc., 29,90 €; ISBN 978-3-89879-229-5„Viele Menschen träumen zwar davon, die Welt zu verbessern, aber ich bin in der glücklichen Lage, es zu tun“, (11), schreibt Soros gänzlich unbescheiden – obwohl er die Wiederwahl des US-Präsidenten Bush verhindern wollte, aber nicht konnte, und die Unterstützung der orangen Revolution in der Ukraine durch seine Stiftung diese nachträglich in ein fahles Licht gerückt hat. Nebenbei bemerkt hat Soros bereits 1969 die Leitung eines Hedgefonds übernommen und ist sehr reich. Viel Geld zu haben, bezeichnet er als eine seiner Qualifikationen, die anderen seien sein konzeptionelles Verständnis für historische Entwicklungen und seine festen ethischen und politischen Überzeugungen. Er sehe sich als Staatsmann ohne Staat, mittels dieses Buches habe er eine politische Agenda herausgearbeitet, mit einem klaren Ziel: „die Erreichung einer globalen offenen Gesellschaft“ (15), basierend auf einer internationalen Rechtsstaatlichkeit. Die Souveränität einzelner Staaten in einer Welt der gegenseitigen Abhängigkeiten sei dagegen ein anachronistisches Konzept. Die „offene Gesellschaft“ habe fast die gleiche Bedeutung wie die liberale Demokratie, unter „Anerkennung unserer Fehlbarkeit beziehungsweise der Unvollkommenheit unseres Verständnisses“ (94). Zentral sei, dass diese „offene Gesellschaft“ den freien Verkehr an Gütern, Ideen und Menschen erlaube. Soros, der sich in seinen Überlegungen explizit auf Karl Popper stützt, benennt außerdem zwei für das Überleben der Menschheit bedrohliche Probleme: die Verbreitung nuklearer Massenvernichtungswaffen und die globale Energiekrise. Diese Krise könnte als Kehrseite der Globalisierung betrachtet werden, nicht vernachlässigt werden dürften bei der Problemlösung die „nationalen Interessen souveräner Staaten“ (219) – die also trotz ihres von Soros zugedachten Status als Anachronismen noch sehr lebendig scheinen. Als größtes Hindernis für eine stabile und gerechte Weltordnung hat er die USA ausgemacht, diese sollten sich verantwortungsbewusster als bisher ihrer Rolle als führende Macht stellen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.4 | 2.64 | 4.41 | 4.43 | 4.45 | 2.2
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: George Soros: Die Ära der Fehlentscheidungen. München: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26809-die-aera-der-fehlentscheidungen_31281, veröffentlicht am 16.08.2007.
Buch-Nr.: 31281
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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