/ 02.10.2014
Edmund Ratka
Deutschlands Mittelmeerpolitik. Selektive Europäisierung von der Mittelmeerunion bis zum Arabischen Frühling
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2014 (Münchner Beiträge zur europäischen Einigung 25); 355 S.; brosch., 64,- €; ISBN 978-3-8487-1064-5Diss. München; Begutachtung: W. Weidenfeld, B. Stahl. – Edmund Ratka, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Centrum für Angewandte Politikforschung der LMU München, untersucht die Europäisierung der deutschen Mittelmeerpolitik. Ratkas politikwissenschaftliche Analyse basiert dabei auf einem selbstentwickelten Modell, das ideell‑diskursive mit materiell‑behavioristischen Ansätzen vereint, um die Interaktion zwischen der europäischen Ebene, den EU‑Mitgliedstaaten und deren Außenpolitiken gegenüber den Staaten der Mittelmeerregion erfassen zu können. In drei Analyseschritten bringt der Autor mit der Kontext‑, der Diskurs‑ und der Handlungsanalyse jeweils unterschiedliche Methoden zur Anwendung, um dem „Europäisierungskonzept durch eine ‚Anreicherung‘ mit Elementen aus anderen Theorietraditionen mehr analytischen Tiefgang“ (50) zu verleihen. Die Fälle, anhand derer die deutsche Mittelmeerpolitik seit dem Jahr 2007 von ihm konkret untersucht werden, umfassen die Gründung und Ausgestaltung der Union für das Mittelmeer, den Arabischen Frühling in Tunesien und Ägypten sowie die Krise und internationale Militärintervention in Libyen. Im ersten Fall ergibt sich zunächst ein hoher Europäisierungsgrad der deutschen Außenpolitik, der sich nach Ratka damit in die Tradition einfügt, bei der Politikgestaltung den EU‑Mittelmeeranrainerstaaten zu folgen. Grund hierfür ist, dass das „deutsche Interesse am südlichen Mittelmeerraum [...] nicht ausgeprägt genug [war], damit Deutschland von sich aus eine nachhaltige Führungsrolle in den euro‑mediterranen Beziehungen übernahm“ (147 f.). Der Arabische Frühling hingegen markiert für Ratka „eine neue Stufe der deutschen Mittelmeerpolitik“ (221), was sich sowohl in der Intensität des deutschen Engagements als auch in dessen Verhältnis zur EU‑Mittelmeerpolitik widerspiegelt. Ursächlich hierfür waren zwei Faktoren: Die deutsche Wahrnehmung der bisherigen EU‑Mittelmeerpolitik als defizitär und das allgemein gestiegene Interesse an der Region. Im Falle der Libyen‑Krise zeigten sich allerdings die Grenzen der Europäisierung im Bereich Außenpolitik, da sich Frankreich und Deutschland gänzlich anders positionierten und eine einheitliche europäische Position angesichts deutscher Zurückhaltung im Moment schnellen französischen Handelns nicht zustande kam. Im Sinne einer „selektive[n] Europäisierung“ (285) variiert die deutsche Mittelmeerpolitik somit stark in Abhängigkeit des jeweiligen Politikfelds und der in‑ wie externen politischen Konstellationen.
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Rubrizierung: 4.21 | 4.22 | 2.61 | 2.25 | 2.63 | 2.67 | 3.6
Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Edmund Ratka: Deutschlands Mittelmeerpolitik. Baden-Baden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/37621-deutschlands-mittelmeerpolitik_45853, veröffentlicht am 02.10.2014.
Buch-Nr.: 45853
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