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/ 17.06.2013
Tiziano Terzani

Briefe gegen den Krieg. Aus dem Italienischen von Elisabeth Liebl

München: Riemann Verlag 2002; 218 S.; 16,90 €; ISBN 3-570-50034-9
Der italienische Journalist und langjährige Asien-Korrespondent des "Spiegel", Terzani, hat sich nach dem 11. September in der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" einen publizistischen Schlagabtausch mit Oriana Fallaci geliefert. Das Buch bündelt noch einmal seine offenen Briefe. Während Fallaci sich sehr einseitig über den Islam äußerte und den Attentätern jede Menschlichkeit absprach, gehört Terzani zu denen, die die Ursachen der Attentate verstehen wollen. Er geht dabei auf die für ihn typische Weise vor: Terzani reist. Er fährt nach Pakistan, Afghanistan und Indien, macht einen Bogen um Politiker und spricht mit den einfachen Menschen. Beim Anblick der Kriegsauswirkungen in Afghanistan - auch viele Zivilisten werden von den amerikanischen Bomben getroffen - fühlt er sich selbst wie durchlöchert. "Vielleicht ist mir ja mittlerweile die Objektivität des neutralen Beobachters abhanden gekommen." (123) Und auch wenn die Taliban zweifelsfrei "blinde Unterdrücker" (179) gewesen waren und er in den pakistanischen Koranschulen vor allem leere Phrasen hört, steht für Terzani fest, "dass wir den Terrorismus nicht besiegen werden, indem wir die Terroristen töten, sondern nur, indem wir die Ursachen beseitigen, die sie zu solchen machen" (52). Erst die Armut und das Gefühl, durch die Globalisierung kulturell an die Wand gedrückt zu werden, ermögliche den islamischen Fundamentalisten, ihre Religion als ideologische Waffe gegen die Welt der Moderne einzusetzen. Terzani, der stark von Gandhi beeinflusst ist, warnt davor, sich blind den USA anzuschließen. Diese würden den Islam gezielt als Feindbild aufbauen, um ihre Aufrüstung begründen und ihre Weltordnung durchsetzen zu können. Terzani erklärt die Attentate vom 11. September auch nicht als Angriff auf Freiheit und westliche Demokratie, sondern viel konkreter: "Bin Laden strebt nach einer Herrschaft in Saudi Arabien." (104) Der 11. September sei deshalb vor allem, Terzani beruft sich auf die Analyse des Politikwissenschaftlers Chalmers Johnson, ein Angriff auf die Außenpolitik der USA und deren militärische Präsenz in Saudi Arabien gewesen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.254.222.68 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Tiziano Terzani: Briefe gegen den Krieg. München: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14598-briefe-gegen-den-krieg_19810, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19810 Rezension drucken
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