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/ 12.09.2013
Robert Staudigl

Baschar al-Assad: Von der Hoffnung in den Untergang

München: Herbert Utz Verlag 2013; 262 S.; 48,- €; ISBN 978-3-8316-4176-5
Die Situation in Syrien markiert ohne Zweifel eine besondere Entwicklung im Rahmen des Arabischen Frühlings – im Verlauf des seit 2011 andauernden Bürgerkrieges sind bislang (bis Juli 2013) nach Schätzungen der Vereinten Nationen ca. 100.000 Menschen ums Leben gekommen. Staudigl rekonstruiert die Aspekte, die dazu geführt haben, dass sich Baschar al‑Assad von einem Hoffnungsträger für die zivilgesellschaftliche Entwicklung Syriens zu einem in jeder Hinsicht diskreditierten Herrscher verwandelt hat. Was auf den ersten Blick dabei kontraintuitiv anmutet, nämlich seine zurückliegende Außenpolitik in den Mittelpunkt der Studie zu stellen, erklärt Staudigl mit seiner „Sympathie“ (12) für Land und Menschen. Diese dürfe aber nicht „mit einer generellen Zustimmung zu seinem [i.e. des Landes, M.L.] politischen Weg“ (13) verwechselt werden. Die Auseinandersetzung mit der syrischen Außenpolitik erfolgt im Wesentlichen in zwei Dimensionen: Zum einen rekonstruiert Staudigl die historische Genese der außenpolitischen Vernetzungen Syriens und der daraus folgenden politischen Allianzen und Verbindungen; zum anderen beleuchtet er die bilateralen Kontakte zu den Nachbarstaaten, etwa dem Irak oder der Türkei. Beides geschieht wesentlich in rekonstruktiver Perspektive, sodass der Band als eine Einführung oder Bestandsaufnahme der syrischen Außenpolitik – nicht zuletzt auch dank der zahlreichen Bilder, Illustrationen und Tabellen – wertvolle Hinweise geben dürfte. Anstelle eines Schlusskapitels kommt dann doch noch der Bürgerkrieg zur Sprache: „Wie konnte“, so fragt Staudigl, „eine politische Führung [...] nach allem, was sich zwischen Tunis und Kairo abgespielt hatte, noch glauben, mit massiver Gewalt die eigene Bevölkerung so einschüchtern zu können, dass diese von Demonstrationen Abstand nehme?“ (237) Der Autor verweist hier insbesondere auf den mangelnden Überblick Assads und dessen Fehleinschätzung der Situation, die bis hin zu einer „geistigen Einmauerung“ (245) reiche – mit fatalen Konsequenzen: Anstelle eines Arabischen Frühlings auch für Syrien sieht Staudigl „Auflösungsprozesse, [...] Chaos und Anarchie“ (252) – und das längerfristig.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.634.222.254.41 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Robert Staudigl: Baschar al-Assad: Von der Hoffnung in den Untergang München: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36170-baschar-al-assad-von-der-hoffnung-in-den-untergang_43995, veröffentlicht am 12.09.2013. Buch-Nr.: 43995 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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