/ 19.06.2013
Klaus Emmerich
Atlantische Scheidung. Driften Amerika und Europa auseinander?
Wien: Molden Verlag 2003; 263 S.; 22,80 €; ISBN 3-85485-095-6Amerikakritische Bücher und Filme mit oftmals polemischem Unterton haben derzeit Hochkonjunktur in Deutschland. Das Buch des ehemaligen ORF-Journalisten Emmerich gehört jedoch nicht in diese Kategorie. Es enthält zwar sehr viel Kritik an den USA, aber mindestens ebenso viel muss Europa einstecken. Emmerich diagnostiziert eine weit fortgeschrittene Zerrüttung im Verhältnis zwischen Europa und Amerika. Dieser Prozess komme zwar jetzt erst mit Macht zum Vorschein, sei aber schon seit Generationen im Gange und lange Zeit durch die Konkurrenz der Systeme im Ost-West-Konflikt überlagert gewesen. Das Auseinanderdriften äußere sich in gravierenden Unterschieden in der Rechtskultur, dem Staatsverständnis, dem Wirtschaftsleben, der Finanzpolitik, der Einstellung zur Religion usw. Emmerich bietet dafür von der Todesstrafe bis hin zur Wirtschaftskultur eine Fülle von Beispielen. Er will jedoch keineswegs nur in Katastrophenszenarien schwelgen. Vielmehr hält er es für offen, ob Amerika und Europa ihre Beziehungen neu gestalten können. Sein Buch versteht er als Schritt zu einer unerlässlichen „vollinhaltliche[n] Selbsterkenntnis“ (259). Emmerich schreibt wie ein guter Reporter oder Leitartikler; seine Sprache ist farbig, und um ein klares Urteil ist er nie verlegen. Mit Wissenschaft hat dieses Buch nichts zu tun, eine anregende Zustandsbeschreibung eines komplizierten Verhältnisses ist es jedoch allemal.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.22 | 2.64 | 4.21 | 3.7
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Klaus Emmerich: Atlantische Scheidung. Wien: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20483-atlantische-scheidung_23875, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 23875
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M. A., Politikwissenschaftler.
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