/ 20.06.2013
Norman G. Finkelstein
Antisemitismus als politische Waffe. Israel, Amerika und der Mißbrauch der Geschichte. Aus dem Amerikanischen von Maren Hackmann
München/Zürich: Piper 2005; 388 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-492-04861-7Der Chicagoer Professor für Politikwissenschaft – Sohn von Holocaust-Überlebenden – setzt sich für eine Abgrenzung zwischen der Kritik am Vorgehen der israelischen Regierungen gegenüber den Palästinensern in den besetzten Gebieten und dem Antisemitismus ein. Die Kritiker der israelischen Besatzungspolitik würden oft als „neue“ Antisemiten bezeichnet. Doch dieser angeblich „neue“ Antisemitismus habe tatsächlich nichts mit dem Antisemitismus zu tun, der Juden aus religiösen oder rassischen Gründen grundsätzlich ablehne. Es sei „blanker Zynismus“ (20) diejenigen als Antisemiten zu bezeichnen, die Israel wegen seiner Völkerrechtsverletzungen kritisierten, so Finkelstein. Warum diese Kritik aus seiner Sicht berechtigt ist, zeigt er im zweiten Teil des Buches auf. Er dokumentiert die israelischen Menschenrechtsverletzungen in den besetzten Gebieten, wofür er zahlreiche Berichte unterschiedlicher Menschenrechtsorganisationen durchgegangen ist. Darüber würde von den westlichen Medien nicht ausreichend informiert und das israelische Besatzungsregime verharmlost, da sie den Vorwurf des Antisemitismus fürchteten. Hinter dieser Haltung stecke eine amerikanisch-jüdische Lobby, zu der auch einige Universitätsprofessoren zählten – wie etwa Alan Dershowitz von der Harvard Law School, mit dessen Studie „Plädoyer für Israel“ sich Finkelstein intensiv auseinandersetzt. Zur Lösung des Problems empfiehlt der Autor: „Um die echten Antisemiten zu entlarven, bräuchte Israel nur seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachzukommen und [...] sich vollständig aus den besetzten Gebieten zurückzuziehen“ (20). Bei seiner teilweise in einem polemischen Stil vorgetragenen Argumentation versäumt es Finkelstein auf die Hintergründe der kritisierten israelischen Regierungspolitik einzugehen und zu erwähnen, dass sich Teile der arabischen Welt noch immer weigern, das Existenzrecht Israels anzuerkennen.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.23 | 2.25 | 2.63 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Norman G. Finkelstein: Antisemitismus als politische Waffe. München/Zürich: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25801-antisemitismus-als-politische-waffe_29949, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29949
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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