/ 04.06.2013
Herbert Dittgen
Amerikanische Demokratie und Weltpolitik. Außenpolitik in den Vereinigten Staaten
Paderborn u. a.: Ferdinand Schöningh 1998; 398 S.; 98,- DM; ISBN 3-506-72616-1Der zeitliche Rahmen der Untersuchung reicht von der Präsidentschaft Richard Nixons bis zu der George Bushs, vom Ende des Vietnamkrieges bis zum zweiten Golfkrieg. Wer gestaltete amerikanische Außenpolitik und welchen vornehmlich innenpolitischen Faktoren war sie ausgesetzt? Und schließlich: Welche Ziele setzten sich die USA? Dittgens erste Feststellung, daß die verfassungsrechtliche Einbindung von Außenpolitik in den USA eine unmittelbare Reaktion auf die in Europa praktizierte Staatsräson ist, überrascht nicht, wird aber nur zu häufig in der aktuellen Diskussion übersehen. Zweifellos existiert in den USA ein nationales Interesse, aber es wird nicht nur vom Präsidenten formuliert oder allein vom Kongreß, sondern partei- und institutionenübergreifend und durchaus von der öffentlichen Meinung beeinflußt. Die langfristigen strategischen Entwicklungen in der internationalen Politik (u. a. Zusammenbruch der Sowjetunion, Auflösung Jugoslawiens) zeigen gewissermaßen den Routinevorgang in der Formulierung amerikanischer Außenpolitik: Kontrolle der Administration durch den Kongreß und die öffentliche Meinung, das Erfordernis der politischen Legitimation und die Rechenschaftspflicht der Administration respektive des Präsidenten. Die von Dittgen angeführten Krisenbeispiele (Libanon, Granada, zweiter Golfkrieg) "zeigen, wie stark das feine und bewegliche Spiel des Zusammenwirkens der Regierungsorgane und der öffentlichen Meinung von der internationalen Konstellation geprägt wird" (337). Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der ideologische Hintergrund, d. h. die Auseinandersetzung zwischen Macht- und Interessenpolitik und einem legalistisch-moralischen Ansatz von Außenpolitik. Dittgen arbeitet deutlich die Kontroversen heraus: Es ist danach nicht ausgeschlossen, daß die Realpolitik amerikanischer Prägung den Kalten Krieg eher stabilisiert als ihn zu einem Ende gebracht hat, und andererseits hat der moralistische Ansatz, als Ausdruck der liberalistischen Tradition amerikanischer Außenpolitik, genau die Feindbilder produziert, vor denen John Quincy Adams schon 1821 warnte. "Vielerorts wird bereits undifferenziert der Islam als neuer Feind des Westens dargestellt." (343) Dittgen bewertet das amerikanische Modell durchaus positiv, allerdings hebt er hervor, daß es in einer Welt, in der die Nationalstaaten an Bedeutung verlieren, durchaus an seine Grenzen stoßen wird.
Inhaltsübersicht: I. Demokratische Außenpolitik. A. Der außenpolitische Entscheidungsprozeß: II. Die konstitutionellen, historischen und kulturellen Rahmenbedingungen; III. Präsident und Kongreß und die Außenpolitik seit den 70er Jahren; IV. Pluralistische Demokratie und Außenpolitik. B. Ziele und Mittel der amerikanischen Außenpolitik: V. Krisenpolitik; VI. Langfristige strategische Politik; Schlußbetrachtung: Amerikanische Demokratie und Weltpolitik.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 4.22 | 2.64
Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Herbert Dittgen: Amerikanische Demokratie und Weltpolitik. Paderborn u. a.: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4238-amerikanische-demokratie-und-weltpolitik_5970, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 5970
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Dr., Historiker.
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