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/ 12.06.2013
Gerhard Zwerenz

Krieg im Glashaus oder Der Bundestag als Windmühle. Autobiographische Aufzeichnungen vom Abgang der Bonner Republik

Berlin: Das Neue Berlin (edition ost) 2000; 440 S.; geb., 20,35 €; ISBN 3-89793-013-7
Zwerenz schrieb 103 Bücher, Theaterstücke und Drehbücher zu Fernsehfilmen, wofür er unter anderem 1986 mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis geehrt wurde. 1925 in Gablenz/Sachsen geboren, war er ab 1942 als Freiwilliger Soldat im Zweiten Weltkrieg, bis er 1944 aus der Wehrmacht desertierte. Nach Krieg, sowjetischer Gefangenschaft und Dienst bei der Volkspolizei studierte er in Leipzig bei Ernst Bloch. Seit 1949 Mitglied der SED flüchtete er 1957 in die Bundesrepublik, nachdem ihm, wegen kritischer Äu...
Gerhard Zwerenz

Krieg im Glashaus oder Der Bundestag als Windmühle. Autobiographische Aufzeichnungen vom Abgang der Bonner Republik

Berlin: Das Neue Berlin (edition ost) 2000; 440 S.; geb., 20,35 €; ISBN 3-89793-013-7
Zwerenz schrieb 103 Bücher, Theaterstücke und Drehbücher zu Fernsehfilmen, wofür er unter anderem 1986 mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis geehrt wurde. 1925 in Gablenz/Sachsen geboren, war er ab 1942 als Freiwilliger Soldat im Zweiten Weltkrieg, bis er 1944 aus der Wehrmacht desertierte. Nach Krieg, sowjetischer Gefangenschaft und Dienst bei der Volkspolizei studierte er in Leipzig bei Ernst Bloch. Seit 1949 Mitglied der SED flüchtete er 1957 in die Bundesrepublik, nachdem ihm, wegen kritischer Äußerungen gegen das SED-Regime aus der SED ausgeschlossen, die Verhaftung drohte. Von 1994-1998 war er für die PDS Mitglied im Deutschen Bundestag. Bei seinen Aufzeichnungen handelt es sich aber um mehr als um die bloßen Tagebuchnotizen eines Abgeordneten, bei dem sich "drei unterschiedliche Erfahrungsweisen abwechseln. Empörung - Galgenhumor - Melancholie" (212). Seine Empörung, ausgelöst besonders über die Debatte zu den Deserteuren der Wehrmacht und die gegen ihn - einen früheren Dissidenten der DDR - gerichteten Vorwürfe, in der Nachfolge des DDR-Regimes zu stehen, nutzt er, indem er gegen die Gedankenlosigkeit und die Geschichtsklitterungen seiner Gegner argumentiert, um über sein Leben nachzudenken und dabei die Lehren, die er daraus gezogen hat, weiterzugeben. So rechnet er nicht nur mit der deutschen Geschichte und ihren Verharmlosern ab, sondern gibt auch Rechenschaft über sein eigenes Leben. Inhalt: Zwischen Helden, Parlamentariern, Genossen und Feinden; Fremdkörper mit Gedächtnis; Die Liebe der Kannibalen; Rückzüge im Kopf; Die kollektive Unschuld der rechten Deutschen; Die Linke im Widerstand und im Elend; Verwerfung der 68er.
Heinz-Werner Höffken (HÖ)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 2.3212.33 Empfohlene Zitierweise: Heinz-Werner Höffken, Rezension zu: Gerhard Zwerenz: Krieg im Glashaus oder Der Bundestag als Windmühle. Berlin: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13682-krieg-im-glashaus-oder-der-bundestag-als-windmuehle_16405, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 16405 Rezension drucken
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