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/ 21.06.2013
Irmtrud Wojak

Fritz Bauer 1903-1968. Eine Biographie

München: C. H. Beck 2009; 638 S.; geb., 34,- €; ISBN 978-3-406-58154-0
Nicht zuletzt durch das nach ihm benannte renommierte Institut, das sich der Aufarbeitung der Shoah und seiner Folgen widmet, ist sein Name heute weithin bekannt: Fritz Bauer (1903-1968). Die Historikerin Wojak hat jetzt eine längst überfällige Biografie jenes Juristen vorgelegt, der in der Bundesrepublik wie kaum ein anderer die juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen – d. h. die strafrechtliche Aufklärung von Tatgeschehen und die Verfolgung von Tätern – befördert hat. Als Sozial...
Irmtrud Wojak

Fritz Bauer 1903-1968. Eine Biographie

München: C. H. Beck 2009; 638 S.; geb., 34,- €; ISBN 978-3-406-58154-0
Nicht zuletzt durch das nach ihm benannte renommierte Institut, das sich der Aufarbeitung der Shoah und seiner Folgen widmet, ist sein Name heute weithin bekannt: Fritz Bauer (1903-1968). Die Historikerin Wojak hat jetzt eine längst überfällige Biografie jenes Juristen vorgelegt, der in der Bundesrepublik wie kaum ein anderer die juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen – d. h. die strafrechtliche Aufklärung von Tatgeschehen und die Verfolgung von Tätern – befördert hat. Als Sozialdemokrat jüdischer Herkunft musste Bauer die Verfolgung durch die Nazis am eigenen Leib erfahren. Nachdem er 1933 in das württembergische KZ Heuberg verschleppt worden war, emigrierte er 1935 nach Skandinavien. Aus dem Exil 1949 zurückgekehrt, wirkte er zunächst in Braunschweig, dann in Hessen als Generalstaatsanwalt. Bauer erzielte schon durch das so genannte Remer-Verfahren größte öffentliche Aufmerksamkeit: Mit dem Verfahren gegen den früheren Generalmajor (und der erfolgten Verurteilung) wies er dessen Verunglimpfung der Männer und Frauen des 20. Juli zurück und erreichte so auch eine erste juristische Rehabilitierung des deutschen Widerstandes. Daneben ist es vor allem der Frankfurter Auschwitz-Prozess, der ohne ihn zumindest zu diesem Zeitpunkt so wohl kaum stattgefunden hätte, mit dem Bauer (Rechts-)Geschichte geschrieben hat. Wojaks Biografie zeigt einmal mehr, wie die geschichtspolitischen Auseinandersetzungen und Kontroversen der Bundesrepublik längst selbst Gegenstand historiografischer Beschäftigung geworden sind und überdies, wie ansprechend diese in Form einer Biografie umgesetzt werden kann.
Christoph Kopke (CKO)
Dr. phil., Dipl.-Pol., wiss. Mitarbeiter, Moses Mendelsohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, Universität Potsdam.
Rubrizierung: 2.3 Empfohlene Zitierweise: Christoph Kopke, Rezension zu: Irmtrud Wojak: Fritz Bauer 1903-1968. München: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30569-fritz-bauer-1903-1968_36301, veröffentlicht am 28.05.2009. Buch-Nr.: 36301 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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