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/ 11.06.2013
Hans Jörg Hennecke

Friedrich August von Hayek. Die Tradition der Freiheit

Düsseldorf: Wirtschaft und Finanzen 2000; 440 S.; ISBN 3-87881-145-4
Politikwiss. Diss. Bonn; Gutachter: H.-P. Schwarz, K. Hildebrandt. - Diese "intellektuelle Biographie" (9) gibt einen Überblick über Leben und Werk von Hayeks und greift dabei auf viele bislang unveröffentlichte Quellen zurück. Hennecke schildert, wie der junge von Hayek, ausgebildeter Jurist und Ökonom, in Wien die Konjunkturtheorie weiterentwickelt und als erster Ausländer 1931 an die renommierte London School of Economics berufen wird. Dort schärft von Hayek sein liberales Profil und wird mit...
Hans Jörg Hennecke

Friedrich August von Hayek. Die Tradition der Freiheit

Düsseldorf: Wirtschaft und Finanzen 2000; 440 S.; Ln., 98,- DM; ISBN 3-87881-145-4
Politikwiss. Diss. Bonn; Gutachter: H.-P. Schwarz, K. Hildebrandt. - Diese "intellektuelle Biographie" (9) gibt einen Überblick über Leben und Werk von Hayeks und greift dabei auf viele bislang unveröffentlichte Quellen zurück. Hennecke schildert, wie der junge von Hayek, ausgebildeter Jurist und Ökonom, in Wien die Konjunkturtheorie weiterentwickelt und als erster Ausländer 1931 an die renommierte London School of Economics berufen wird. Dort schärft von Hayek sein liberales Profil und wird mit seinem politischen Agitationswerk und Bestseller "The Road to Serfdom" (1944) über akademische Kreise hinaus bekannt. Von Hayek entwickelt sich zum Sozialphilosophen und liberalen (Vor)Denker, geht an die Universität in Chicago, später nach Freiburg. Im Kapitel "Hayek und die Mächtigen" werden von Hayeks Kontakte zu Thatcher und Reagan sowie sein Einfluss auf die Konservativen in Großbritannien, den USA und Deutschland eingängig dargestellt. Deutlich wird, dass von Hayek, der 1974 den Ökonomie-Nobelpreis erhält, einer der einflussreichsten liberal-konservativen Intellektuellen der 70er- und 80er-Jahre war. Hennecke zeigt, dass mit von Hayeks Einsatz für (wirtschaftliche) Freiheit und Marktwirtschaft demokratiekritische bis antidemokratische Tendenzen einhergehen, deren Höhepunkt die blinde Sympathie für das Pinochet-Regime in Chile bildet. Von Hayek bleibt bei allen seinen akademischen Wandlungen über die Jahrzehnte einem Thema treu: seinem Kampf gegen jeglichen Kollektivismus, den er für einen intellektuellen Irrtum und zivilisationsgefährdend hält. Dabei nimmt von Hayek nicht nur sozialistische Wirtschaftssysteme, sondern auch den Wohlfahrtsstaat westlicher Prägung ins Visier. Um der seiner Meinung nach vorhandenen wirtschaftspolitischen Willkür demokratisch gewählter Regierungen zu begegnen, entwirft von Hayek ein Verfassungsmodell, dessen Kern ein Zweikammerparlament ist. Die erste Kammer wird vom Volk gewählt und kontrolliert die Regierung, während die zweite Kammer als Gesetzgeber fungiert. In diese zweite Kammer werden Vierzigjährige gewählt, die sich durch Unparteilichkeit und Lebenserfahrung auszeichnen. Dies und eine lange Amtszeit sollen die Stabilität und die Gemeinwohlorientierung fördern. Die Biographie erhebt nicht den Anspruch, eine detaillierte Darstellung von Hayeks Werk zu liefern, sie vermittelt aber einen guten Eindruck des Personengeflechts, in dem sich von Hayek bewegt, und bettet sein Werk in die Zeit- und Ideengeschichte ein. Henneckes Sprachstil macht das Buch gut lesbar, der Ton bleibt vielleicht etwas zu unkritisch. Inhaltsübersicht: I. Im Mikrokosmos der Moderne; II. Die Studienjahre; III. Der junge Ökonom; IV. Im Schatten von Keynes?; V. Die Reifung zum liberalen Sozialphilosophen; VI. Liberalismus und Totalitarismus; VII. Die Nachkriegsjahre zwischen Totalitarismus und Wohlfahrtsstaat; VIII. Steckenpferde: John Stuart Mill, Ludwig Wittgenstein und die Rückkehr zur Psychologie; IX. Eine liberale Utopie: Auf dem Weg zur "Verfassung der Freiheit"; X. Rechtsphilosophie, Ideengeschichte und Demokratiereform: Von den "Freiburger Studien" zu "Law, Legislation and Liberty"; XI. Die Renaissance des Ökonomen; XII. Hayek und die Mächtigen; XIII. Die internationale Dimension des Liberalismus; XIV. Die großen Alters/index.php?option=com_content&view=article&id=41317: Evolution, Zivilisation, Religion; XV. Die Tradition der Freiheit: Hayeks politisches Denken zwischen Zeitgeschichte und Ideengeschichte.
Julia von Blumenthal (JB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
Rubrizierung: 5.4 Empfohlene Zitierweise: Julia von Blumenthal, Rezension zu: Hans Jörg Hennecke: Friedrich August von Hayek. Düsseldorf: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12390-friedrich-august-von-hayek_14801, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 14801 Rezension drucken
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