/ 11.06.2013
Wolfgang Petritsch
Bosnien und Herzegowina. Fünf Jahre nach Dayton. Hat der Friede eine Chance? Mit einem Essay von Michael Freund
Klagenfurt/Celovec u. a.: Wieser Verlag 2001; 455, XXIII S.; geb., 25,25 €; ISBN 3-85129-338-XPetritsch, der die im Vertrag von Dayton geschaffene Funktion des Hohen Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft in Bosnien und Herzegowina im August 1999 übernahm, legt mit diesem Buch nach eigener Formulierung "eine Art Werkstattbericht über Stand und Zustand des Bosnien-Projekts" (11) vor. Das Buch ist in mehrere Abschnitte gegliedert: Zunächst findet sich eine Überblicksdarstellung zum Konflikt im ehemaligen Jugoslawien, die sich vorrangig mit den diplomatischen Lösungsversuchen und W...
Wolfgang Petritsch
Bosnien und Herzegowina. Fünf Jahre nach Dayton. Hat der Friede eine Chance? Mit einem Essay von Michael Freund
Klagenfurt/Celovec u. a.: Wieser Verlag 2001; 455, XXIII S.; geb., 25,25 €; ISBN 3-85129-338-XPetritsch, der die im Vertrag von Dayton geschaffene Funktion des Hohen Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft in Bosnien und Herzegowina im August 1999 übernahm, legt mit diesem Buch nach eigener Formulierung "eine Art Werkstattbericht über Stand und Zustand des Bosnien-Projekts" (11) vor. Das Buch ist in mehrere Abschnitte gegliedert: Zunächst findet sich eine Überblicksdarstellung zum Konflikt im ehemaligen Jugoslawien, die sich vorrangig mit den diplomatischen Lösungsversuchen und Wegmarken beschäftigt. Darauf folgt das im engeren Sinne aus Petritschs Perspektive geschriebene "Tagebuch" seiner Tätigkeit als Hoher Repräsentant. An diesen Teil schließt sich ein umfangreicher Dokumentationsteil an, der neben Essays, Kolumnen, Kommentaren, Interviews, Reden und Vorträgen Petritschs aus den Jahren 1999 und 2000 Medienstimmen zu seiner Tätigkeit enthält. Schließlich sind dem Band Dokumente zum Friedensprozess, (farbig gestaltete) Grafiken, Karten und Statistiken zu Institutionen und Gebietsverteilungen sowie eine ausführliche Chronologie von 1990 bis 2000 beigegeben. Deutlich wird die komplexe Aufgabenstellung von Petritschs Amt, das sich mit der Durchführung von Wahlen und dem Aufbau von Institutionen ebenso auseinandersetzen muss, wie mit der Einigung über die Flagge oder die Vergabe von Autokennzeichen. Petritschs Erfahrung zeigt Negatives wie Positives. Das entscheidende Hindernis für die Friedenskonsolidierung formuliert er folgendermaßen: "Die Betonung sprachlicher, kultureller und religiöser Unterschiede, ihre Überhöhung zum exklusiven politischen Paradigma, bildet den eigentlichen 'bosnischen Knoten'." (11) Petritschs Antwort in seiner Amtszeit ist das Konzept des "Ownership" (201): Über die Klärung von Besitz und Alltagsfragen sollten die Menschen in Bosnien den Friedensprozess wieder selbst in die Hand nehmen. In der Summe bietet das Buch einige interessante Einblicke in den Alltag der Friedenskonsolidierung.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 2.62 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Wolfgang Petritsch: Bosnien und Herzegowina. Klagenfurt/Celovec u. a.: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12966-bosnien-und-herzegowina_15539, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15539
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Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
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